Martin,

42 Jahre

 

Obst zerkleinern, Zwiebeln schälen, Müll raustragen, Thermoboxen füllen, die Küche sauber machen, Fahrten erledigen. Martin ist erst seit Juni 2013 bei Allraund – und schon Vollzeit in Einsatz. 

39 Stunden die Woche sind es. Und Martin kann sich kein besseres Leben mehr vorstellen. Hier fühlt er sich endlich “angekommen“: im Küchendienst. 70 Prozent der Kunden sind Schulen. Der Rest Unternehmen oder Privathaushalte, die einen Cateringservice brauchen: für Weihnachtsfeiern, runde Geburtstage, Tagungen. 

Aber Martin war nicht immer Küchengehilfe. Davor war er fünfzehn Jahre lang Landschaftsgärtnergehilfe, hat drei Jahre lang einen Förderlehrgang im Kochen absolviert, ein Praktikum als Maler gemacht und schwere Steine geschleppt. Ein hartes Leben. Schon seit frühester Jugend. Das Mündel der katholischen Jugendfürsorge kommt aus schwierigen Familienverhältnissen. Und das hat Spuren hinterlassen: Schlägereien, harte physische Arbeit, Unfälle. Martin lässt durchscheinen: Er hat’s mit den Mitmenschen nicht immer leicht gehabt, ist oft herumgeschubst worden. Auch von seinen Geschwistern. Man hat ihn um Geld geprellt, immer wieder aufs Neue enttäuscht und getäuscht. Noch heute wird er nachts von Alpträumen geplagt. Vor Jahren wurde er krankenhausreif geschlagen. Martin sieht immer noch das Blut. Er muss täglich Schmerzmittel schlucken. Kein Wunder, dass er in den ersten Wochen bei Allraund kaum gesprochen hat. Jetzt könnte er kaum aufhören damit. 

„Das Einzige, was ich nicht mag, ist, mit Leuten Stress zu haben“, meint er. Aber hier fühlt er sich verstanden. Er bereitet mit dem Koch von Allraund jeden Tag das Schulessen vor und fährt es mittags aus. „Wenn die ganzen Schüler um einen herumstehen – das mag ich weniger. Es sind die ganzen Geräusche, die mich stören.“ 

Ansonsten will er nie mehr etwas anderes machen. „Ich mag alles: Auch die Küche reinigen ist schön“, meint er. „Ich will für immer hier bleiben“, nuschelt er dann leise. Natürlich will er noch besser werden. „Meine Küchenchefin sagt immer, ich soll nicht bei jeder Kleinigkeit zu ihr rennen und  sie um Hilfe bitten.“ Aber er weiß: Das kriegt er auch noch in den Griff. Er hat ja noch Zeit. 

Und in seiner Freizeit malt er. Mit Kohlestift oder Wasserfarben. Filmszenen zum Beispiel. Das bringt ihn zum Träumen.

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